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Der Tag der offenen Tür an der Reiffenstuel-Realschule Traunstein entfällt!

Aufgrund der aktuellen Situation findet der Tag der offenen Tür, der ursprünglich für Dienstag, den 17.03.2020 geplant war, nicht statt. Ein neuer Termin wird über Zeitung und Homepage bekanntgegeben.

Anmeldung zur Aufnahme in die 5. Jgst. für das Schuljahr 2020/21: 18.05. bis 20.05.2020

Ernst Grube zu Besuch

„Wann beginnt das Schreckliche?“

Es war ein Tag, der Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften der RSR nachhaltig in Erinnerung bleiben wird: Der 1932 in München geborene Ernst Grube kam, begleitet von seiner Frau Helga Hanusa, nach Traunstein, um von seinen Kindheitserlebnissen in der Zeit des Nationalsozialismus und der frühen Nachkriegszeit zu erzählen.

Als Kind einer jüdischen Mutter und eines Vaters musste Ernst Grube in der NS-Diktatur in vielfacher Hinsicht gesellschaftliche Ausgrenzung, Gewalt und Verfolgung erleben. Er und seine beiden Geschwister verbrachten, nachdem der Familie im Zuge der sogenannten Arisierung die gemeinsame Wohnung weggenommen wurde, mehrere Jahre in einem Kinderheim, das die jüdische Gemeinde München betrieb. Nach der erzwungenen Auflösung dieser sozialen Einrichtung wurden die Geschwister in ein Lager für jüdische Menschen aus München und Oberbayern in Milbertshofen gebracht, wo sie bis zu dessen Schließung lebten. Ihre Eltern sahen sie in dieser Zeit zwischen 1938 und 1942 nur selten. Nachdem das Lager in Milbertshofen aufgelöst worden war – ein Großteil der Menschen war deportiert und ermordet worden – kamen die drei Kinder für kurze Zeit zurück zu den Eltern, die in prekären Verhältnissen zur Untermiete wohnten. Als Ernst 12 Jahre alt war, wurde er zusammen mit den Geschwistern Ruth und Werner sowie der Mutter noch kurz vor Kriegsende in das Ghetto Theresienstadt im heutigen Tschechien deportiert, wo sie kurz darauf von der Roten Armee befreit wurden, sodass sie nach Kriegsende in ihre Heimatstadt München zurückkehren konnten.

Diesen Teil der Lebensgeschichte Ernst Grubes vermittelte den Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen zunächst ein kurzer Film; anschließend kam der Zeitzeuge dann schnell ins Gespräch mit den Jugendlichen, die ihm Fragen stellten, welche er ausführlich und reflektiert beantwortete. Ein Teil der Fragen bezog sich dabei auf seine Erinnerungen an die Kindheit und Jugend, ein anderer Teil schlug dann aber auch den Bogen in die Gegenwart: etwa danach, wie er es erlebe, dass rechtspopulistische und rechtsextremistische Haltungen und Parteien in Deutschland so viel Zuspruch erfahren in der Gegenwart, und was seiner Ansicht nach dagegen unternommen werden sollte. Grube zitierte in diesem Zusammenhang die Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Zusammenhang mit den Morden im hessischen Hanau vor wenigen Wochen: „Rassismus ist ein Gift, Hass ist ein Gift". Rassistisch motivierte gesellschaftliche Ausgrenzung und Hass einerseits und Tatenlosigkeit der Mitmenschen andererseits erfuhr Grube in seiner Kindheit in München vielfach: Nachbarjungen spuckten ihn an und bewarfen ihn mit Steinen, andere Nachbarn schauten weg, weil sie zu viele eigene Probleme hatten. Angesichts dieses Schicksals verwundert es nicht, dass die Schülerinnen und Schüler wissen wollten: „Wie konnten Sie verzeihen und neu anfangen? Wie können Sie glauben?“ Ernst Grube fand in seiner bescheidenen Art Antworten, die seinen jugendlichen Zuhörern Mut machten, die Herausforderungen der Gegenwart zuversichtlich anzunehmen.

Eine Premiere für den Zeitzeugen, der seit Jahrzehnten im Dienst der historisch-politischen Bildung in bayerischen Schulen unterwegs ist, war die zweite Veranstaltung an diesem Tag: eine Fortbildung für Lehrkräfte, an der viele Lehrerinnen und Lehrer der RSR teilnahmen, wie Schulleiter Christian Gigla bei seiner Begrüßung positiv hervorhob. Auch ihnen zeigte Ernst Grube den Film, ging anschließend aber stärker auf seine Rednertätigkeit an Schulen im Allgemeinen und seine Absichten ein, die ihn auch in seinem doch hohen Alter noch zu diesen Veranstaltungen motivierten. Dazu gehört, dass er, dem Kindheit und Jugend von den Nazis gestohlen worden waren, jungen Menschen den Wert der Bildung verdeutlichen möchte: Er wurde als Kind aus dem staatlichen Schulsystem herausgedrängt, konnte schließlich sogar mehrere Jahre gar keine Schule besuchen und empfand es nach dem Kriegsende als das Wertvollste, endlich wieder regelmäßig und strukturiert lernen zu dürfen. Ein weiterer Schwerpunkt ist für ihn die Thematisierung des Rechts, da nicht nur seiner Familie in der NS-Zeit das bürgerliche Recht entzogen worden da – diese Rechtlosigkeit benennt er, konkretisiert sie an seinem Lebensweg und warnt mit Blick auf die Gegenwart davor, dass sich dieses Unrecht nicht wiederholen dürfe.

Dieser aktuelle Bezug, den auch der Titel der Lehrerfortbildung „Rechte Ideologie in NS-Zeit und Gegenwart“ abbildete, rückte im zweiten Teil der Fortbildung in den Vordergrund: Helga Hanusa und Stephan Stieglhofer stellten sich und ihre Tätigkeit an der Landeskoordinierungsstelle „Bayern gegen Rechtsextremismus“ vor, die sich in der Beratung von Eltern, Angehörigen und Fachkräften engagieren, welche Hilfe im Umgang mit Menschen mit rechter Gesinnung brauchen. Helga Hanusa stellte theoretische Ansätze ebenso vor wie anonymisierte Fälle, die ihr in ihrer langjährigen Elternarbeit begegneten. Stephan Stieglhofer, als Schulsozialpädagoge gleichzeitig auch Mitglied der Schulfamilie der RSR und Initiator der gesamten Veranstaltung, ergänzte immer wieder eigene Erfahrungen aus seiner schulischen Sozialarbeit der letzten Jahre und konnte den Lehrkräften hilfreiche Empfehlungen geben, wie sie einerseits präventiv rechten Ideologien vorbeugen und andererseits aktiv mit aufkommenden Problemen umgehen können.

Historisch-politische Bildung und Demokratieerziehung sind zentrale Aufgaben der schulischen Arbeit - an der RSR haben sie bereits einen festen Platz, wie diese für alle Beteiligten gewinnbringende Veranstaltung erkennen ließ.

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